Chamber of Commerce of Bolzano
Thomas Moosbrugger

Rubner Gruppe

Holz als nachhaltiger Baustoff
Data:  Aprile 2026

Ist Bauen mit Holz nachhaltig? Um diese Frage zu beantworten, haben wir mit Thomas Moosbrugger, Head of Development & Research der Rubner Gruppe, gesprochen und uns erklären lassen, wie man die Ökobilanz des Ingenieurholzbaus verbessern kann.

Herr Moosbrugger, dem Bauwesen wird ein bedeutender Teil der globalen CO2-Emissionen angelastet, den Holzbau hat man da aber weniger im Visier. Warum beschäftigt sich die Rubner Gruppe trotzdem so intensiv mit Nachhaltigkeitsfragen?
Thomas Moosbrugger: Klar ist, dass ein Holzgebäude nachhaltiger ist als eines aus Beton oder Stahl. Das liegt in erster Linie daran, dass Holz CO2 speichert, das bei der Ökobilanz in Abzug gebracht werden kann. Unser Ziel bei Rubner ist aber, unabhängig davon unsere CO2-Bilanz zu verbessern, also die CO2-Emissionen bei der Herstellung von Holzbauteilen und Holzbauwerken zu senken.

Das Bauen mit Holz ist also nicht per se nachhaltig?
Wenn ich einen Baum fälle, ist die Nachhaltigkeit nur gesichert, wenn er wieder nachwächst. Das ist die Grundlage, denn danach wird das Holz ja transportiert, es wird bearbeitet und verbaut. Für all das braucht man Energie, setzt also CO2 frei. Wird ein Holzgebäude am Lebensende abgerissen und werden die Holzbauteile dem biologischen Kreislauf rückgeführt oder verbrannt, wird das darin gespeicherte CO2 wieder freigesetzt. Deshalb legen wir bei Rubner so viel Wert darauf, qualitativ hochwertige Gebäude mit langen Lebensdauern zu bauen und die Grundlagen für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft des Wertstoffes Holz zu schaffen.

Der Blick geht also auf den gesamten Lebenszyklus des Baustoffs Holz und da spielt seine Wiederverwertung eine zentrale Rolle?
Genau. Bei Rubner haben wir schon vor sieben, acht Jahren erste Schritte gesetzt, um Produktionsprozesse zu entwickeln, die den Verbrauch der Ressource Holz reduzieren. Damals haben wir bei minderwertigen Holzqualitäten angesetzt, die im Rahmen der Sortierprozesse aus dem Kreislauf ausgeschieden wurden. Die eingesetzten Technologien zur Aufwertung unterscheiden sich dabei nicht wesentlich vom Aufbereitungsprozess ganzer Tragwerke, also großer Bauteile.

Das Kompetenzzentrum in Kiens

Apropos „große Bauteile“: Die geltenden Normen machen das Recycling von großen Bauteilen aus Holz nicht einfach?
Die EU schreibt bereits einen Recyclinganteil bei Baustoffen vor und künftige europäische Vorgaben werden noch stärker auf die Nutzung von Sekundärrohstoffen abzielen. Zugleich schließen die Produktspezifikationen aber die Aufbereitung und den Einsatz von Altholz in neuen Produkten aus.

Wie reagiert man bei Rubner auf dieses Dilemma?
Ich würde sagen: durch die Schaffung der Grundlagen und größtmögliche Transparenz. Was das betrifft, haben wir in den letzten zwei Jahren sehr viel investiert und 2025 als eines der ersten Unternehmen im konstruktiven Holzbau in Italien einen CSRD-konformen und geprüften Nachhaltigkeitsbericht mit unserer Bilanz veröffentlicht. Auf dem Papier sind die Grundlagen also geschaffen.

Gibt es aber auch praktische Erfahrungen bei der Wiederverwendung von nutzbaren Holzbauteilen?
Rubner hat in Brixen eine alte Produktionshalle demontiert, neues Material aus den alten, nicht behandelten Bauteilen recycelt und daraus Bauteile für das neue Tragwerk hergestellt. Wir sind so bei einzelnen Bauteilen auf eine Recyclingquote von 40 Prozent gekommen, haben also gezeigt, dass unser wissenschaftliches Fundament auch den Praxistest übersteht.

Kurzbiografie

Thomas Moosbrugger stammt aus Vorarlberg – „einem Ursprung des Holzbaus“, wie er augenzwinkernd betont – und hat seine Ausbildung zum Bauingenieur an der TU Graz durchlaufen. Dort war er sieben Jahre lang Assistent am Institut für Holzbau und Holztechnologie. Seit 15 Jahren lebt Moosbrugger in St. Lorenzen, ist in der Rubner Gruppe zum Head of Development & Research aufgestiegen und hat auch an der Freien Universität Bozen einen Lehrauftrag.

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