Alto contrasto
Am Mittwochabend, 22. Juli 2026, fand in den Roner Brennereien in Tramin das Abschlusstreffen der diesjährigen Veranstaltungsreihe „Zukunftswerkstatt Südtirol“ statt. Neben der Rolle von Frauen in der Arbeitswelt wurden bei der Eventreihe auch ausgiebig die Herausforderungen und Chancen einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Südtirol diskutiert.
„Die Gewinnung und Bindung qualifizierter Fachkräfte zählt zu den größten Herausforderungen für unsere Unternehmen. Umso wichtiger ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern und es Frauen ermöglichen, ihre Kompetenzen in der Arbeitswelt bestmöglich einzubringen“, betonte Handelskammerpräsident Michl Ebner in seinen Grußworten
„Vereinbarkeit ist nicht nur ein Frauenthema, sondern ein Zukunftsthema für unsere Wirtschaft. Als Unternehmerin in dritter Generation sehe ich täglich, wie wichtig gegenseitiges Vertrauen, Flexibilität und Verantwortung sind. Eine Unternehmenskultur, die unterschiedliche Lebenssituationen berücksichtigt, stärkt nicht nur die Mitarbeitenden, sondern das gesamte Unternehmen“, ergänzte Karin Roner, Geschäftsführerin der Roner AG Brennereien.
Mia Koncul vom WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen referierte über die aktuelle Situation der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Südtirol. Demnach geben nur 47,5 Prozent der erwerbstätigen Personen mit Kindern an, Familie und Beruf gut miteinander vereinbaren zu können. Für die übrigen Familien erfordert die Organisation des Alltags hingegen ein hohes Maß an Zeit, Energie und organisatorischem Geschick. Im Vergleich zu den anderen italienischen Regionen und Provinzen reiht sich Südtirol beim Angebot für frühkindliche Betreuung und bei den Ganztagesschulen eindeutig im unteren Mittelfeld ein.

Anschließend unterstrich Annemarie Kaser, Vorsitzende des Beirats zur Förderung des weiblichen Unternehmertums der Handelskammer Bozen, dass die Vereinbarkeit Frauen und Männer, Mütter und Väter, Arbeitnehmer/innen und Unternehmer/innen gleichermaßen betrifft. Es brauche daher starke Partnerschaften zwischen allen beteiligten Akteuren, um gemeinsam an Lösungen zu arbeiten und bessere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit beruflicher Verantwortung und familiärer Aufgaben zu schaffen.
In ihrer Präsentation verdeutlichte Elena Macchioni, Professorin an der Universität Bologna, dass die Ungleichverteilung von Zeit – insbesondere durch unbezahlte Sorgearbeit - die berufliche Entwicklung und Karrierechancen von Frauen hemmt. Unternehmen sind daher gefordert, Zeit als strategische Ressource zu betrachten und dieser Ungleichheit mit flexiblen Arbeitsmodellen und einer familienfreundlichen Personalpolitik entgegenzuwirken. So können das Wohlbefinden der Mitarbeitenden und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert werden.