Chamber of Commerce of Bolzano
Wirtschaftsbarometer Frühjahr 2026

Wirtschaftsbarometer Frühjahr 2026

Sorge über steigende Energiepreise wächst

Data: 
Wednesday, 18 March 2026
Ora: 

Im Vergleich zur vorherigen Erhebung im Herbst zeigt die Frühjahrsausgabe des Wirtschaftsbarometers eine Verbesserung der Einschätzungen der Südtiroler Unternehmen hinsichtlich der Ertragslage im Jahr 2025. Diese wird nun von mehr als neun von zehn Betrieben als zufriedenstellend bewertet. Der Ausbruch des Krieges im Iran und dessen unmittelbare Auswirkungen auf die Energiepreise sorgen jedoch für Unsicherheit hinsichtlich der kommenden Monate. Das WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen schätzt für 2025 einen Anstieg des Südtiroler BIP um 1,1 Prozent. Für 2026 könnte das Wachstum zwischen 0,5 und 0,9 Prozent liegen, abhängig von der Dauer und Entwicklung des Krieges im Nahen Osten.

Südtiroler Wirtschaft: Einschätzungen zur Ertragslage 2025 seit Herbst verbessert

Die Wirtschaftsdynamik in Südtirol hat sich im letzten Teil des vergangenen Jahres leicht beschleunigt. Entsprechend haben sich die Einschätzungen der Unternehmen zur Rentabilität im Jahr 2025 verbessert. Diese wird nun in 92 Prozent der Fälle als zumindest befriedigend bewertet. Das vergangene Geschäftsjahr war durch ein Umsatzwachstum auf allen Märkten gekennzeichnet, vor allem für größere Unternehmen. Besonders deutlich stieg das Geschäftsvolumen bei den landwirtschaftlichen Genossenschaften, im Großhandel und im Dienstleistungssektor, aber auch die Bereiche Verkehr, Gastgewerbe, Einzelhandel und das Verarbeitende Gewerbe verzeichneten ein deutliches Plus. Die Investitionen sind leicht gestiegen, vor allem was die Anschaffung von Fahrzeugen betrifft. Der Arbeitsmarkt hat sich weiterhin positiv entwickelt: 2025 gab es in Südtirol durchschnittlich rund 235.200 unselbstständig Beschäftigte, mit einem Anstieg von 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Arbeitslosenquote ging auf 1,8 Prozent zurück.

Die Erwartungen für 2026 werden durch die Verschärfung der Lage im Nahen Osten gedämpft. Diese hat bereits zu starken Preisanstiegen bei Kraftstoffen und Energie geführt. Nach Angaben der befragten Unternehmen dürfte der Umsatz in den kommenden Monaten weiter steigen, allerdings auch aufgrund notwendiger Preiserhöhungen, um den Kostenanstieg zumindest teilweise auszugleichen. Die Rentabilitätsaussichten bleiben positiv, zeigen jedoch einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr: Der entsprechende WIFO – Geschäftsklimaindex sinkt von +28 Punkten für 2025 auf +20 Punkte für 2026. Die große Ungewissheit und Besorgnis aufgrund der Nahost-Krise wird sich auch auf die Investitionstätigkeit auswirken, die voraussichtlich stagnieren wird.

Ertragslage in der Südtiroler Wirtschaft

Internationale Wirtschaft: 2025 trotz Handelsspannungen positiv, Ungewissheit für 2026

In der zweiten Hälfte des Jahres 2025 haben der Waffenstillstand im Palästina-Konflikt und die teilweise Senkung der Handelszölle durch die Vereinigten Staaten infolge von Abkommen mit verschiedenen Ländern der internationalen Konjunktur eine Atempause verschafft. Die jüngsten Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) für das vergangene Jahr zeigen ein Wachstum der Weltwirtschaft von 3,3 Prozent. Das BIP der Vereinigten Staaten profitierte von massiven öffentlichen und privaten Investitionen im Zusammenhang mit der Entwicklung der künstlichen Intelligenz und in die Rüstungsindustrie und verzeichnete einen Anstieg von 2,1 Prozent. Auch die Schätzung zum Wachstum der Eurozone wurde nach oben korrigiert und liegt nun bei 1,4 Prozent.

Was das Jahr 2026 betrifft, so prognostizierte der IWF in seiner jüngsten, im Januar veröffentlichten Prognose einen Anstieg des BIP der Eurozone um 1,3 Prozent. Der Angriff der Vereinigten Staaten und Israels auf den Iran und der damit verbundene Anstieg der Energiepreise werden jedoch zu einer Konjunkturabschwächung in Europa führen, deren Ausmaß von einer möglichen Ausweitung und Fortdauer des Konflikts abhängen wird.

Italien konnte noch nicht aus dem Defizit-Strafverfahren der EU entlassen werden

Trotz der positiven Entwicklung des BIP im vierten Quartal wuchs die italienische Wirtschaft im Jahr 2025 nur um 0,5 Prozent. Da das Defizit im Verhältnis zum BIP bei 3,1 Prozent lag, wird Italien 2026 nicht aus dem europäischen Defizitverfahren entlassen. Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt bleibt hingegen positiv: Im Januar 2026 lag die Beschäftigungsquote bei 62,6 Prozent, während die Arbeitslosenquote mit 5,1 Prozent einen neuen Tiefstand erreichte. Für 2026 prognostizierte der Internationale Währungsfonds im Januar ein Wachstum des italienischen BIP von 0,6 Prozent. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird der Konflikt im Nahen Osten jedoch in den kommenden Monaten zu einer Korrektur der Prognosen nach unten führen.

Südtiroler BIP steigt 2025 um 1,1 Prozent, Ungewissheit für 2026

Für das Jahr 2026 werden die Auswirkungen des Krieges im Iran auf die Konjunktur in Südtirol vor allem von der Entwicklung der Energie- und Kraftstoffpreise und den daraus resultierenden inflationären Effekten abhängen, die den Konsum und die Exporte bremsen könnten. Die große Ungewissheit wird sich zudem negativ auf die Investitionsentscheidungen der Unternehmen auswirken. Unter der Annahme, dass die Kampfhandlungen im Iran bis zum Sommer eingestellt werden, dürfte das BIP-Wachstum zwischen 0,5 und 0,9 Prozent liegen.

Michl Ebner, Präsident der Handelskammer Bozen, bemerkt: „Die wachsende Zahl globaler Konflikte erhöht die Unsicherheit und macht die wirtschaftliche Lage volatiler. Umso wichtiger ist es, flexibel zu bleiben und rasch auf neue Entwicklungen zu reagieren. Politik und Wirtschaft müssen jetzt gemeinsam alles daransetzen, Stabilität zu sichern, Investitionen zu schützen und eine Rezession zu verhindern.“

Der Geschäftsklimaindex des WIFO: Methodik

Der WIFO-Index zum Geschäftsklima in Südtirol beruht auf den Angaben zur Ertragslage der im Rahmen der Konjunkturerhebung „Wirtschaftsbarometer“ befragten Unternehmen. Er wird sowohl rückblickend[1] als auch ausblickend2 berechnet.

Die Befragten können die Rentabilität als „gut“, „befriedigend“ oder „schlecht“ bewerten. Der Wert des Index entspricht der Differenz zwischen dem Anteil der Unternehmen, die eine „gute“ Ertragslage erzielt haben (oder erwarten), und dem Anteil jener, die hingegen eine „schlechte“ Ertragslage erzielt haben (oder erwarten). Folglich kann der Index zwischen -100 Punkten (wenn alle Unternehmen eine „schlechte“ Ertragslage angeben) und +100 Punkten (wenn die Ertragslage in allen Fällen „gut“ ist) variieren. Die Antwort „befriedigend“ wird als neutral betrachtet und hat somit keinen Einfluss auf den Indexwert.

[1] Basierend auf den Bewertungen der Ertragslage im vergangenen oder im zu Ende gehenden Jahr, je nach Befragungswelle.     
2 Basierend auf den Erwartungen zur Ertragslage im laufenden oder im kommenden Jahr, je nach Befragungswelle.

Contact

IER - Institute for Economic Research

0471 945 708