Handelskammer Bozen
Die Schulwahl der Südtiroler Jugendlichen

Die Schulwahl der Südtiroler Jugendlichen

Studie des WIFO
Datum:  Juni 2023

Nach Abschluss der Mittelschule stehen Jugendliche vor der wohl ersten wichtigen Entscheidung in ihrem Leben, der Wahl der Ober- bzw. Berufsschule. Das WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen hat in einer Studie die Einflussfaktoren auf die Schul- und Berufswahl von Südtirols Jugendlichen genauer untersucht.

Die Wahl der Ober- bzw. Berufsschule bildet den Grundpfeiler für den zukünftigen beruflichen Werdegang der Jugendlichen, hat aber auch Auswirkungen auf die Gesellschaft als Ganzes. So führt eine Schul- und Ausbildungswahl, die nicht den eigenen Interessen, Stärken und Fähigkeiten entspricht, zu Unzufriedenheit und im schlimmsten Fall zum Abbruch der Schule oder Ausbildung bzw. der Aufgabe des Berufs. So kommt es zu einer niedrigeren Produktivität mit weniger Fachkräften und damit letztlich zu einer geringeren Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft.

Neue WIFO-Studie

In Südtirol entscheidet sich nach der Mittelschule jeweils etwas mehr als ein Drittel der Schüler/innen für ein Gymnasium (34,3 Prozent) bzw. eine Berufsschule (35,9 Prozent). Eine Fachoberschule wählen dagegen 29,9 Prozent der jungen Leute, wobei der Anteil der Wirtschaftsfachoberschule (WFO) etwas höher ist als jener der Technologischen Fachoberschule (TFO).

Südtirols Jugendliche wählen die weiterführende Schule in rund sieben von zehn Fällen auf Grundlage der eigenen Stärken und Interessen. Jeder dritte Jugendliche wählt die Schule auch aufgrund der Tatsache, dass jemand aus dem Familien- oder Bekanntenkreis dieselbe Ausbildung macht bzw. gemacht hat. Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor für die Schulwahl ist das Geschlecht. Mädchen wählen nach der Mittelschule eher das Gymnasium, Jungen hingegen eher die Technologische Fachoberschule. Diese Unterschiede zwischen den Geschlechtern setzen sich in den Wunschberufen der Jugendlichen fort: Jungen nennen am häufigsten die Berufe des Tischlers, Elektrikers, Kochs und Mechanikers, während es bei Mädchen jene der Kindergärtnerin, Kosmetikerin, Lehrerin, Friseurin und Ärztin sind.

Schulwahl nach Geschlecht

Weitere Einflussfaktoren

Als weitere Einflussgrößen sind der sozioökonomische Hintergrund bzw. der Bildungsgrad der Eltern zu nennen. Kinder aus Familien mit einem höheren sozioökonomischen Status sowie jene Schüler/ innen, deren Vater oder Mutter eine Universität abgeschlossen haben, besuchen deutlich häufiger ein Gymnasium oder eine Wirtschaftsfachoberschule.

Die Schulwahl von Südtirols Jugendlichen wird weiters von der Muttersprache und vom Wohnort beeinflusst: Junge Leute italienischer Muttersprache sowie jene, die in städtischen Gemeinden wohnen, entscheiden sich eher für eine Technologische Fachoberschule oder ein Gymnasium. Schülerinnen und Schüler deutscher Muttersprache bzw. Jugendliche aus ländlichen Gemeinden wählen häufiger eine Berufsschule.

Schließlich besteht ein starker Zusammenhang zwischen Schulwahl und Abschlussnote der Mittelschule. Je höher die Bewertung, desto eher entscheidet sich die Schülerin bzw. der Schüler für ein Gymnasium.

Bei der Schulwahl gibt es geschlechterspezifische Unterschiede

Handlungsempfehlungen

Aufbauend auf den Ergebnissen der Studie lassen sich folgende Maßnahmen und Handlungsempfehlungen für die Akteure in Wirtschafts- und Bildungspolitik, für die Schulen und auch für die Unternehmen ableiten.

  • Geschlechterklischees entgegenwirken: Um den von Geschlechterklischees geprägten Berufsvorstellungen entgegenzuwirken und Mädchen öfters für technische Berufe bzw. MINT-Fächer zu begeistern, sollten Sensibilisierungsmaßnahmen in allen Bildungsstufen, beginnend mit dem Kindergarten, verstärkt werden.
  • Schulische Integration verbessern: Um allen Jugendlichen die gleichen Chancen zu bieten, muss die schulische Integration von Schülern und Schülerinnen mit einem besonderen sprachlichen, kulturellen oder sozioökonomischen Hintergrund weiter verbessert werden.
  • Sensibilisierungsmaßnahmen für die Berufsbildung: Italienischsprachige Jugendliche sowie jene aus städtischen Gemeinden entscheiden sich deutlich seltener für eine Berufsbildung. Hier bedarf es gezielter Sensibilisierungsmaßnahmen für die Berufsbildung für alle Sprachgruppen im Allgemeinen bzw. die italienische Sprachgruppe im Speziellen.
  • Einblicke in die Berufswelt weiter ausbauen: Für eine reflektierte Berufswahl sind vor allem persönliche Vorbilder wie Eltern und Bekannte, konstruktive Gespräche sowie konkrete Einblicke in die Arbeits- und Berufswelt entscheidend. Hier sind neben Familie, Lehrpersonen und Institutionen wie der Berufsberatung auch Unternehmen sowie Unternehmens- und Berufsverbände gefragt und miteinzubinden.

Online frei verfügbar

Die WIFO-Studie 1.23 „Die Schulwahl der Südtiroler Jugendlichen“ liegt in der Handelskammer Bozen in Papierform auf und steht auf der Website zum Download bereit.

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